ZDF: TERRA X: Imperium – Der letzte Kriegsruf der Indianer
12. Februar 2012Chronisten einer untergehenden Welt:
Mediathek – Video: Imperium – Der letzte Kriegsruf der Indianer
Ein deutscher Prinz bereist den Wilden Westen ”Reise in das innere Nord-America”: Bericht der Entdeckungsfahrt
In den Jahren 1832 bis 1834 reist Prinz Maximilian zu Wied, einer der bedeutendsten deutschen Indianer-Forscher, mit seinem Freund, dem Schweizer Maler Carl Bodmer durch den Wilden Westen. Ihr Bericht gibt Zeugnis von der unwiederbringlich verlorenen Welt der “Rothäute”. Europa beginnt, sich für diese Welt zu begeistern. Für Karl May und andere werden ihre Bilder und Schilderungen zur wertvollen Anregung.
Bei der Abreise aus Europa herrschen stürmische Winde und starker Wellengang. Max von Wied notiert, dass das Gepäck des Malers größtenteils aus Staffeleien, Leinwand, Pinsel, Zeichenblocks und anderen Malutensilien besteht. Seine Aufgabe wird sein, Menschen, Trachten, Waffen und Gerätschaften sowie auch Landschaften naturgetreu abzubilden. Der junge Schweizer besitzt eine Taschenuhr. Sie wird die Kontaktaufnahme erleichtern, ihre Spieluhr macht die Indianer neugierig. Dritter im Bund ist der treue Hofjäger Dreidoppel aus Neuwied. Sein Geschick bei der Pirsch wird auch die Anerkennung der “Rothäute” finden. Bei der Annäherung an die Küste Amerikas hofft Prinz Max, wenigstens eine der Seeschlangen zu sehen, von denen er viele Berichte gehört hat. Aus eignem Erleben und im Fachgespräch mit Kennern an Bord kommt er jedoch zu dem Schluss, dass sie gar nicht existieren, sondern Fabelwesen sind.
Erste Begegnung mit Indianern
Bei der Ankunft in Amerika am 4. Juli geraten die Reisenden mitten in die Feiern zum “Independence Day”, dem Unabhängigkeitstag der Amerikaner. Während der folgenden neun Monate ihrer Reise durch die industrialisierten Staaten der Ostküste begegnen sie, wie der Prinz enttäuscht feststellt, nicht einem einzigen Indianer. In St.Lewis besuchen die Reisenden das “Büro für indianische Angelegenheiten”. Der Leiter ist General William Clarke, ein legendärer Abenteurer und Indianerfreund, der 1804 bis 1806 gemeinsam mit seinem Freund Mariwether Lewis den Landweg zum Pazifischen Ozean erkundet hatte. Das Büro liegt am Zusammenfluss der beiden großen Ströme von Mississippi und Missouri. Hier treffen der Prinz und der Maler auf eine Delegation freier Indianer, die sich für einen inhaftierten Häuptling einsetzen will.
Auf dem Fluß – Bei den Mandans
Mit dem Dampfschiff setzen der Prinz und seine Begleiter die Reise fort. Sie führt den Missouri aufwärts. An Bord ist neben einem Indianeragenten für die Stämme der Dakotas und einem Offizier, der zu seinem Außenposten am oberen Flusslauf zurückkehrt, eine Anzahl Pelztierjäger und Fallensteller, sogenannter Voyageurs. Die meisten von ihnen stammen von französischen Siedlern ab, die an den großen Flüssen und in Kanada leben. Als gut bewaffnete Hilfstruppen dienen sie auch bei der Armee und den Agenturen im Indianergebiet.
Der Prinz beschreibt sie als rohe, kräftige und genügsame Männer, die allein durch ihre Abhärtung und Erfahrung mit Entbehrung dem Leben unter Indianern gewachsen sind. Nach wenigen Tagen erreichen sie die unsichtbare Grenze zum Indianerland. An einem starken Militärposten werden Schiff und Reisende kontrolliert, die Einfuhr von Alkohol ist verboten. Knapp kann der Prinz seinen kleinen Vorrat an Spiritus retten, den er zur Konservierung wissenschaftlicher Präparate benötigt.
Bei der Weiterfahrt berichten die Mitreisenden über den Verfall jeglicher Sitten, die der Alkohol in der Wildnis verursacht. Von Überfällen, Morden und Rachezügen. Man passiert Sandbänke, Engpässe und die Steinbrüche die allen Indianern heilig sind, da sie hier den Stein für ihre Friedenspfeifen aus dem Fels schneiden. Immer wieder werden sie von Land aus zum Halt aufgefordert. Indianer kommen an Bord, die mit dem Agenten und dem Offizier über Bitten und Beschwerden verhandeln. Carl Bodmer arbeitet unermüdlich, um alle Eindrücke mit dem Pinsel festzuhalten. Bei Sturm und Dunkelheit erreicht der Dampfer Fort Clarke, tags darauf gehen die Reisenden an Land. Am Strand bereiten ihnen Häuptlinge der Manda einen festlichen Empfang. An ihrer Spitze der einflussreiche Mato-Tope, mit dem der Prinz und der Maler bald Freundschaft schließen. In der Nähe des Forts stehen viele Zelte anderer Stämme. Nur wenig entfernt liegt ein Hauptort der Mandan, Mi-tutta-Hangkusch.
Den Hochsommer 1833 verbringen Prinz Max zu Wied und seine Freunde in der Prärie. Auf dem Fluss fahren sie über Fort Union und Fort McKenzie bis zu den Ausläufern der Rocky Mountains. Sie streifen durch das Grasland, besuchen unterschiedliche Indianerstämme und nehmen an ihren Festen teil. Der Prinz schreibt auf, was er über Sitten, Jagdgewohnheiten und Lebensweise der “Rothäute” in Erfahrung bringen kann. Er sucht auch den Kontakt zu Medizinmännern, um ihr Wissen zu erkunden. Carl Bodmer malt und zeichnet, was er findet und wen er überreden kann, ihm Model zu stehen. Er stellt fest: Die Indianer sind eitel. Sie lieben es, sich für den Maler in Schale zu werfen. So entstehen Bilder von zeitloser Schönheit und unvergänglichem dokumentarischen Wert.
Als der Winter kommt, nehmen die Reisenden eine Einladung der Mandan an und ziehen sich in ein Blockhaus nahe Fort Clarke zurück. Der Winter vergeht mit täglichen Besuchen des Häuptlings und seiner Familie. Mato Tope berichtet vor dem wärmenden Kamin von seinen Erlebnissen als Krieger. Von Kämpfen und von seinen Versuchen, Frieden zu stiften zwischen den Mandan und ihren Nachbarn, den Assiniboin. Er erzählt von Überfällen der Cheyenne, bei dem er einen Häuptling in fairem Zweikampf tötete und davon, dass er Mitglied ist im mächtigen Kriegerbund der “Hunde”. Mato Tope spricht auch über die Legenden und den Glaube seines Volkes. Zu den Andenken des Prinzen an die Reise gehören auf Leder gezeichnete Bilder der Mandan über Taten und Legenden ihres Stammes.
Maximilian zu Wied schreibt über seine Reise in den Wilden Westen einen Bericht, der – ergänzt durch die Bilder Carl Bodmers -, großes Aufsehen erregt. Er hat darin der Welt der Indianer ein bleibendes Denkmal gesetzt. Vor allem den Mandan, seinen Freunden, die wenige Monate nach seiner Abreise durch eine eingeschleppte Pockenepidemie bis auf wenige Menschen ausgelöscht werden.






































